4 Tipps aus 20 Jahren Führungstraining

Mit Empathie und Emotionen erfolgreich lehren und lernen

Sie können sich vermutlich ebenso wenig wie ich an den Inhalt der Schultüte erinnern, die wir am Tag der Einschulung stolz in die Kameras unserer Familien gehalten haben. Dass allerdings von dem Wissen, das Schülerinnen und Schülern im Unterricht vermittelt wird, Studien zufolge zwei Jahre nach dem Abschluss höchstens noch 10 Prozent verfügbar sind, ist ein Alarmsignal. Dies kann nicht der Anspruch des Bildungssystems ‚Schule‘ sein, das ich persönlich zu oft als theoretisch und aufgezwungen empfunden habe.

Eine sehr ernüchternde Situation im 7. Schuljahr ist mir dabei in besonderer Erinnerung geblieben. Ich stellte wissbegierig eine Frage und erhielt vom Lehrer vor der gesamten Klasse die leicht genervte Antwort: „Nimm es einfach so hin wie es ist. Wenn jetzt jeder hinterfragt, komme ich ja nie mit dem Lehrplan durch.“ Meine jugendliche Neugier und Begeisterung am Lernen erhielten einen spürbaren Dämpfer und ich vermute, dass es dem Rest der Klasse ähnlich ging. Diese Erfahrung hat sich mir eingeprägt, selbst wenn ich in diesem Moment nicht wusste, wie sich das beruflich auswirken wird.

Lernen auf Vorrat geht nicht

Lernen auf Vorrat geht nicht.

Formeln und Vokabeln auswendig zu lernen, um sie dann nach dem Abfragen und einer besseren oder schlechteren Note wieder zu vergessen, entfacht keine Leidenschaft. Die sogenannte intrinsische, die innere, aus sich selbst entstehende Motivation gilt es zu fördern. Der Neurobiologe Gerhard Roth erläutert: „Das Gehirn muss sehr viel Energie aufwenden, um zu verstehen und zu speichern. Folglich fragt es sich unentwegt: Warum soll ich mir das merken?“ Ein empathischer Lehrer, der bei seinen Schülern Spaß und Begeisterung weckt, indem er Sachverhalte mit Geschichten verknüpft und Erfahrungen vermittelt, ist deshalb für Gerhard Roth unverzichtbar für erfolgreiches, angstfreies Lernen. So vermitteltes Wissen wird tief aufgenommen und im Langzeitgedächtnis gespeichert.

Ein anderer Weg für Ihren Erfolg: aus Erfahrung lernen

Das Thema Lernen und Didaktik hat mich immer begleitet, auch wenn ich nicht Lehrer werden wollte. Als Diplom-Sozialpädagoge wurde ich 1999 zum Personal- und Organisationsentwickler und habe seither meine Lern-Neugierde in einige Weiterbildungen wie z.B. Horse Assited Trainer oder eine Zertifizierung zum Scrum Master und Product Owner gesteckt. Diese Ausbildungen, sowie die Praktika und Studienaufenthalte unter anderem in den USA haben mich in der Überzeugung bestärkt, dass eine andere Begegnungs- und Lernatmosphäre als die in Deutschland übliche Form für den Lernerfolg deutlich erfolgreicher ist: Loben statt bestrafen, Stärken, Neigungen und selbstbestimmtes Lernen fördern, Feedback geben, vor allem aber akzeptieren, dass Fehler die beste Lernquelle sind. Ich nenne das: aus Erfahrung lernen! Man muss Fehler zulassen und sie nicht vermeiden. Nichts prägt nachhaltiger als die eigene Erfahrung, wenn man die Chance erhält, sie zu machen.  Erst die unmittelbare, praktische Auseinandersetzung mit einem Lerninhalt ermöglicht es effektiv zu lernen und den Sinn darin zu erkennen – all das muss für die Schule ebenso gelten wie für Unternehmen.

Darauf achte ich in jedem meiner Führungstrainings und setze auf erfahrungs- und erlebnisorientierte Abläufe. Denn ebenso wie in der Schule werden Inhalte und Techniken, die mit Empathie vermittelt werden, ganz anders aufgenommen, akzeptiert und fest verankert, um sie ebenso nachhaltig in der Praxis als Führungskraft anzuwenden.